Das Problem war der Kapitaleinsatz, der bei der Datenverarbeitung sehr hoch ist. Die Hersteller wie IBM milderten dies zwar, indem sie ihre Rechner vorwiegend vermieteten. Doch die Belastung blieb hoch. Denn IBM hatte nichts zu verschenken. Hier musste ein dauerhaftes Konzept gefunden werden. Die Lösung war schließlich die damals wie heute anachronistisch anmutende Gesellschaftsform der Genossenschaft, deren Idee im 19. Jahrhundert u.a. von H. Schulze-Delitzsch und F.W. Raiffeisen entwickelt worden waren und deren »Themen man heute eher aus den Spottschriften ihrer Gegner als aus ihren eigenen Texten« kennt, wie dies die Wissenschaftler Michael J. Piore und Charles F. Sabel vom weltberühmten Massachusetts Institute of Technology formulierten.
[1] Die Genossenschaft erschloss dem Berufsstand die Möglichkeiten der Massenverarbeitung, ohne die einzelnen Mitglieder in der Entfaltung ihres individuellen Könnens zu beschränken. Im Gegenteil, sie stärkte sogar die Leistungsfähigkeit des steuerberatenden Berufs. Das war die Lösung.
»Ich glaube, Heinz Sebiger hatte in seinem Hinterkopf diesen Dreisatz lange vor uns gelöst«, lobt der Nürnberger Steuerberater Dr. Gerhard Nopitsch »die schnelle Intelligenz dieses Mannes. Mit seiner Begeisterung riss er uns immer wieder mit«. (Nopitsch war erster Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft. Er erlebte die Entwicklungsgeschichte der DATEV von ihren ersten Anfängen an voll mit.)
»Es zeichnet Sebigers Führungsstil aus, dass er mit seinem Erkenntnisprozess erst herauskam, als er für alle Beteiligten nahe lag«, ergänzt Rechtsanwalt Klaus F. Hartmann, der als Justitiar der Nürnberger Kammer der Steuerbevollmächtigten, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Hartmann war dann ab 1966 auch Syndikus der DATEV und gestaltete in dieser Eigenschaft bis heute die rechtlichen Angelegenheiten der Genossenschaft.
[1] Michael J. Piore, Charles F. Sabel, Berlin 1985, „Das Ende der Massenproduktion“

Fortsetzung folgt
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