Montag, 16. März 2009

4.4 Der 20-Milliarden-Deal

Die Idee der Mehrwertsteuer hatte erstmals 1957 der Bundestagsabgeordnete Dr. Curt Becker in die Öffentlichkeit getragen. Der Unternehmer hatte am 16. November 1957 in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« seine Vorstellung einer Reform der bisherigen Allphasen-Steuer vorgeschlagen und löste damit eine »Schockwirkung« aus. »Den beteiligten Kreisen wurde klar, dass jede Mehrwertsteuer ein fundamentales Umdenken bedingen würde«, bemerkt Wolfgang Frickhöffer, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, 1967 in einer Veröffentlichung.[1]Doch diese Gedankenarbeit setzte erst so richtig ein, als das neue Steuersystem aktuell wurde: »Die Mehrwertsteuer ist nicht, wie die alte Umsatzsteuer, in unbekannter Höhe im Preis enthalten, sondern läuft – wie ein durchlaufender Posten – neben dem Preis her. Sie hat also im Gegensatz zur alten Umsatzsteuer keine kumulierende Wirkung«, erklärt eine Schrift des Bundes der Steuerzahler. Zudem mussten die Kalkulation auf eine neue Basis gestellt und beim Übergang die Warenlager überprüft werden. Denn hier waren ja noch Waren enthalten, die mit der alten Umsatzsteuer belastet waren. Es kam prompt zu einem rapiden Abbau der Lagerbestände. Bei der Kalkulation musste – nach damaligen vorsichtigen Schätzungen – ein Volumen von 20 Milliarden Mark umgeschichtet werden.

[1] Politische Wegbereiter der Mehrwertsteuer, Curt Becker und Manfred Luda, Ludwigsburg, 1967

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