Montag, 16. März 2009

4.9 Die Dialektik der DATEV

»Ja, ich glaube sogar, dass die wirklich großen Gedanken auch heute noch zunächst privat entwickelt werden müssen, weil selbst für die besten Gedanken auch in unserer Zeit niemand Geld geben wird«. Diese tiefe Lebensweisheit des deutschen Computerpioniers Professor Dr.-Ing. E.h. Konrad Zuse, der abgeschnitten von der ganzen Welt in den dreißiger und vierziger Jahren die Rechnerentwicklung vorwärts getrieben hat, gilt auch für die Vorgeschichte der DATEV.[1]
So wie Zuse die bekannten Elementarideen, Erfindungen und Errungenschaften der Mechanik und der Mathematik zur ersten Rechenmaschine mit Speicherwerk zusammenfügte, so steht eigentlich auch hinter der DATEV-Gründung nichts anderes als die innovative und intelligente Verknüpfung von zwei sehr heterogenen Faktoren zu einer grandiosen Synthese:
Individuelles Können. Da war der etablierte und spezialisierte Berufsstands der Steuerberater und Steuerbevollmächtigten, in dem die meisten Mitglieder bis heute kleine Selbständige sind und deren individuelle Dienst-Leistungen »auf Wissen und Können beruhen, die ihrer Natur nach nicht entreißbar oder abpressbar sind«, wie Professor Dr. Werner Ross die Freien Berufe definiert.[2]Massenproduktion. Da war die für die Wirtschaft neuartige und kapitalintensive Computertechnologie, deren damalige Stärke die Massenverarbeitung von immateriellen Produkten, den Daten, war und deren »Auswirkungen um ein Vielfaches größer sein (wird) als die des Automobils«, wie die Computerexperten James Martin und Adrian R.D. Norman 1970 in ihrem Buch »Halbgott Computer« behaupteten.[3]

[1] Die Computer Zeitung, 14.10.70: „Konrad Zuse: In Amerika wäre ich längst Multi-Millionär“
[2] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.84, Professor Dr. Werner Ross: „Ehre, Würde und die Butter auf dem Brot“
[3] James Martin, Adrian R.D.Norman, München 1972: „Halbgott Computer“ (ISBN 3-405-11168-4), zuerst erschienen 1970 unter dem Titel: „The computerized society“


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen